Meine Wunsch-Vorstellung von Arztbesuchen.
Unrealistisch. Utopisch.
Mir ist schon klar, dass das (vor allem bei psychischen Erkrankungen) nicht so einfach funktioniert.
Realität: Ich gehe zum Arzt, setze mich auf den Stuhl und fange an, auf ihre Frage hin wie denn die aktuelle Situation sei und der vordergründige Punkt warum ich nach über 2 Jahren wieder da bin, zu antworten. Keine 10 Minuten später steht fest welches Medikament ich diesmal bekomme. Danach keine 10 Minuten sinnlose oberflächliche Fragen. SIE erzählt MIR, dass es ja diesmal nicht so schlimm sei. Meine psychische Verfassung sei ja schon mal schlechter gewesen. Da ich es ja schaffe zur Arbeit zu gehen kann es nicht so schlimm sein. Zum Schluss noch Fragen zum Thema. Wie sieht's mit der Selbstverletzung aus? Ist das wieder mehr geworden oder weniger? Mehr. Wann war das letzte Mal? Ähm....gestern.
Warum?
Der nächste Termin wird festgelegt und sie gibt mir die Rechnung mit.
85€ für ca 30 Minuten
Zuhause den Beipackzettel gelesen.
Bei den Nebenwirkungen von Mirtazapin steht als aller erstes:
Sehr häufig (kann mehr als 1 Behandelten von 10 betreffen)
- verstärkter Appetit und Gewichtszunahme
Etwas weiter unten steht noch bei Jugendlichen unter 18 häufig deutliche Gewichtszunahme.
Ja, ich bin schon weit über 18, aber das beruhigt mich nicht im geringsten.
Ich lese auch noch die Auswirkungen einer Überdosierung.
Und würde mir am liebsten die halbe Packung in den Mund schieben.
Gleichzeitig überlege ich die fettmachenden Dinger einfach in den Müll zu werfen.
Seit über 5h liege ich nun im Bett, der Versuch einfach einzuschlafen ist bisher gescheitert, dabei bin ich so müde. Die Nacht war doch verdammt kurz.
Ich schweife immer wieder zwischen Unverständnis und Wut auf die Ärztin und dem Selbsthass wegen meiner Unfähigkeit zu Leben hin und her.
Am liebsten würde ich nie wieder Essen. Nie wieder!
Leider hatte ich schon einen Koffein-Riegel vor dem Arzttermin um ein Magenknurren zu verhindern. Sonst gibts heute nach ihrer Aussage und dem Beipackzettel natürlich nichts mehr.
Ich weiß, dass es falsch ist, und ich weiß auch, dass ich es nicht schaffen werde. Aber ich würde ihr gerne beim nächsten Termin im November zeigen, dass ich kein fettes Walross bin. Vielleicht werde ich dann ja etwas ernster genommen. Und wenn nicht, dann bin ich wenigstens nicht mehr so dick.
Wir werden sehen was die nächsten Tage bringen werden...
"Ich schweife immer wieder zwischen Unverständnis und Wut auf die Ärztin" - und für das Nicht-Zu-/Hinhören ihrerseits auf deine Worte; kann ich einfach nur den Kopf schütteln...
AntwortenLöschenIch möchte dich wirklich nicht beunruhigen, ich hatte bei Mirtazapin leider keine guten Erfahgungen, gerade, was das Gewicht angeht...
Vielleicht gibt es ja doch eine andere (medikamentöse) Lösung? :/
Ich lese dich und sende ganz viel Kraft! ♥