Ich stecke fest.
Zwischen leben und sterben.
Die letzten Wochen bin ich unglaublich gut darin zu leben.
Ich gehe mit Freunden aus, betrinke mich mit ihnen. Ich bin bei ihm und habe Sex mit ihm. Ich habe meine Wohnung halbwegs aufgeräumt und auch mein Leben etwas geordnet. Ich gehe Arbeiten, und unterhalte mich mit Menschen. Ich habe meiner früheren Therapeutin geschrieben um Unterstützung für meine Bachelorarbeit zu bekommen. Ich nehme die Bachelorarbeit in Angriff. Ich habe zu den Weihnachtsfeiern zugesagt, werde zur Firmenweihnachtsfeier sogar mit Arbeitskollegen hinfahren. Ich werde mit Freunden auf Konzerte gehen (05.12. HIM, 06.03. Sunrise Avenue, 07.04. Letzte Instanz).
Ich werde morgen zu meiner Familie fahren und am Sonntag mit ihnen Essen gehen. Ich halte wöchentlich meine Hundekurse und gehe nach 2 Wochen Pause wieder regelmäßig zum Taekwondo-Training.
Ich treffe mich spontan mit Freunden zum Kaffee trinken. Lasse ihn spontan vorbei kommen und in meine Wohnung. Ich kaufe ein und gebe Geld aus. Ich esse vor meinen Arbeitskollegen und verschlinge eine ganze Pizza vor einer Freundin. Ich gehe manchmal ans Telefon, wenn jemand anruft. Ich rede mehr und lache mehr. Ich bin frecher und rege mich über Kleinigkeiten auf wie ganz "normale" gesunde Menschen auch. Ich wirke gesund. Normal. Wie eine typische 24-jährige eben.
Das fällt auf. Die Menschen um mich herum merken es. Sie reden mich darauf an, wie glücklich ich wirke. Wie gut mir das tut. Wie sehr ich plötzlich am Leben teilnehme. Sie sagen mir was ich alles schaffe und wie gut ich das mache.
Es scheint bergauf zu gehen. Es scheint, als hätte ich einen großen Schritt in die richtige Richtung getan.
Was keiner sieht sind die Wunden. Die unzähligen Spuren die die Klingen währenddessen auf mir hinterlassen. Die schlaflosen Nächte. Die Tage die ich im Bett verbringe, Tage die ich komplett verschlafe, weil ich keine Kraft habe aufzustehen. Eine Zigarettenpackung nach der anderen die ich plötzlich inhaliere wie Luft zum atmen. Tränen die ich manchmal tatsächlich, viel zu oft nur innerlich vergieße. Die Filme die in meinem Kopf ablaufen wenn ich über Brücken laufe, die Filme die in meinem Kopf ablaufen wenn ich am Bahnsteig stehe. Das ich plötzlich immer öfter mit Make-up und Wimperntusche rumlaufe obwohl ich sonst nie geschminkt bin, weil ich den Anblick meiner Häßlichkeit nicht mehr ertragen kann. Die Einsamkeit, die Traurigkeit, die Verzweiflung, oft auch diese absolute Gleichgültigkeit.
Das alles ist vollkommen okay. Aber wisst ihr was nicht okay ist?
Das die Menschen tatsächlich glauben sie wüssten besser wie es mir geht als ich selbst. Sie sind davon überzeugt, dass es mir gut geht. Das es mir besser geht. Das ich mehr lebe.
Durch diese Überzeugung bekommt keiner mit was wirklich los ist, obwohl ich ehrlicher auf die Frage 'Wie geht es dir?' antworte als je zuvor. Obwohl ich immer und immer wieder betone, wie sehr mir Menschen Angst machen, wie schwierig das alles für mich ist und wie sehr ich jeden Tag kämpfe.
All das wird gekonnt überhört. Denn man SIEHT ja, dass es mir gut geht. Das mir das alles GUT tut. Wie können einem Menschen Angst machen, wenn man doch tagtäglich mit ihnen zu tun hat. Wenn man in der Arbeit 9h Kundenkontakt hat. Ich soll mich nicht SO ANSTELLEN, wenn ich es doch so gut mache. Das KANN JA GAR NICHT SEIN.
Ich mag es nicht, wenn mir unterstellt wird, dass es mir nicht gut geht, obwohl es mir tatsächlich recht gut geht und ich das auch sage.
Ich mag es auch nicht, wenn mir unterstellt wird, dass es mir gut geht, obwohl es mir überhaupt nicht gut geht und ich das auch sage.
In mir toben Kriege. Tag für Tag. Kriege zwischen mir und mir. Mal gewinnt die gute Seite eine Schlacht, aber immer öfter die kranke Seite. Dadurch gewinnt sie an Macht und wird früher oder später wohl den Krieg für sich entscheiden.
Aber das ist okay für mich. Hauptsache die Anschläge hören auf. Die Bomben die nichts als Schutt und Asche hinterlassen und die Gedankengänge einstürzen lassen. Die Granaten die die Ausgänge aus den dunklen, verfallenen Kellerräumen in denen ich eingeschlossen bin versperren. Die Drohungen die mich verstummen lassen und die Explosionen die mich taub und blind zu Boden reißen. Die mich die Orientierung verlieren lassen.
So liege ich da und warte auf den finalen Anschlag der dieses Massaker in mir beendet.
Freitag, 24. November 2017
Montag, 20. November 2017
Lebenszeichen
Ihr Lieben,
mir geht's okay. Mal besser, mal schlechter. An manchen Tagen will ich unbedingt sterben, an anderen denke ich gar nicht so oft daran.
Ich war in letzter Zeit viel Arbeiten, viel bei IHM, viel unterwegs. Das ist anstrengend, aber gut.
Diese Woche habe ich Urlaub. Und ich bin noch nicht sicher wie ich das überstehen soll. Aber es wird bestimmt gehen.
Ich wünschte ich könnte wieder mehr schreiben. Aktiver sein hier, und euch wieder lesen.
Aber dazu fehlt die Zeit und manchmal fehlt mir dazu auch der Sinn.
Erstmal alles Liebe an euch
ich hoffe sehr, dass es euch allen da draußen halbwegs gut geht und ihr klar kommt.
mir geht's okay. Mal besser, mal schlechter. An manchen Tagen will ich unbedingt sterben, an anderen denke ich gar nicht so oft daran.
Ich war in letzter Zeit viel Arbeiten, viel bei IHM, viel unterwegs. Das ist anstrengend, aber gut.
Diese Woche habe ich Urlaub. Und ich bin noch nicht sicher wie ich das überstehen soll. Aber es wird bestimmt gehen.
Ich wünschte ich könnte wieder mehr schreiben. Aktiver sein hier, und euch wieder lesen.
Aber dazu fehlt die Zeit und manchmal fehlt mir dazu auch der Sinn.
Erstmal alles Liebe an euch
ich hoffe sehr, dass es euch allen da draußen halbwegs gut geht und ihr klar kommt.
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