216h
Die Hoffnung schwindet
Mein Bruder war tatsächlich da. Bzw. bleibt er bis Sonntag. Mit seiner neuen Freundin. Im Hotel.
Ich bin die erste der Familie die sie kennen gelernt hat. Sehr symphatisch. Ich freu mich sehr für ihn. Wirklich unglaublich sehr.
Und ich bin eifersüchtig. Bescheuert ich weiß. Ich bin auch echt wütend auf mich deswegen. Aber ich kann nichts dagegen machen.
Er war der einzige meiner Familie der hin und wieder etwas mit mir unternommen hat. Jetzt fällt das weg.
Nicht das wir viel miteinander gemacht hätten, aber hin und wieder gemeinsam wandern oder einmal im Jahr einen Tagesausflug irgendwohin. Jetzt hat er eine bessere Wanderbegleitung.
Ich hab heute gekocht. Und davon gegessen.
Mit meinem Bruder und seiner Freundin war ich noch Burger essen.
Ich wollte mich davor drücken....ging nicht.
Alles umsonst. Ich hätte es geschafft bis Montag unter der 45 zu sein.
Jetzt kann ich froh sein, wenn am Montag überhaupt noch die 45 da ist und nicht noch mehr.
Morgen zum Essen eingeladen, Sonntag schon wieder Burger.
Dabei war alles so gut geplant.
Ich hab Angst. Und schon wieder Tränen in den Augen.
Monatelang wollte ich weinen und es ging nicht. Es kamen keine Tränen. in den letzten paar Wochen ist es unglaublich schwer nicht jeden Tag beinahe loszuheulen.
Was ist den bloß los?
Leben ist so schwer.
Es tut weh. Ich weiß nicht was es ist. Der Schmerz ist in mir drinn. Lässt sich nicht lokalisieren. Es tut einfach weh.
Überleben ist gerade zu anstrengend und ich würde unglaublich gerne aufgeben. Genau jetzt.
Morgen habe ich Dienst. Die Saison startet und das überfordert mich gleich noch mehr als ein Arbeitstag generell. Danach bei meinem Ex zum Essen eingeladen.
Sonntag Kursbeginn im Hundeverein. Ich will keinen Kurs mehr halten, hab keine Kraft mehr dazu. Inklusive Burger essen zum Herbstkurs-Beginn.
Montag = Scheißtag.
Ich bin beinahe schon erleichtert, dass ich Montag und Dienstag (und Mittwoch) arbeiten muss. Vielleicht fließen dann weniger Tränen. Vielleicht fühlt sich dieser Tag dann etwas weniger einsam an. Vielleicht kann ich so dem ein oder anderen Anruf aus dem Weg gehen.
Vielleicht wäre es aber auch einfach ein wundervoller Tag um zu sterben.
Wenn ich genauer darüber nachdenke wäre der Tag eigentlich perfekt dafür.
Mehr als perfekt.
Aber dazu bin ich leider doch nicht ganz bereit. Im Moment. Aber man kann den Gedanken ja mal im Hinterkopf behalten, denn so eine Gelegenheit bekomme ich so schnell nicht mehr.
Würde ich damit das Lebensversprechen brechen? Das hab ich doch schon vor Monaten abgegeben. Wir haben keinen Zeitrahmen vereinbart, also wie lange gilt das?
Am liebsten würde ich vorsichtshalber mal einen neuen Abschiedsbrief anfangen zu schreiben. Gerade ist da so viel in meinem Kopf was ich schreiben möchte, was ich noch sagen möchte.
Die Zeit rennt. Es ist schon nach 0Uhr, und in 6h muss ich schon wieder aufstehen. Ich sollte wirklich dringend schlafen. Aber wie? Die Nacht wird wohl wieder furchtbar. Furchtbar beängstigend, furchtbar mutlos, furchtbar hilflos, furchtbar hoffnungslos, furchtbar schlaflos.
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