Dienstag, 25. September 2018

Neues Medikament

Wenn es einem nicht gut geht, man krank ist, geht man zum Arzt. Der versucht herauszufinden was man hat und sagt einem dann wie man seinen Zustand wieder verbessern kann. Wenn nötig verschreibt er einem ein Medikament, das man in der Apotheke abholt, danach nimmt man es wie abgesprochen ein und wird wieder gesund.

Meine Wunsch-Vorstellung von Arztbesuchen.
Unrealistisch. Utopisch.
Mir ist schon klar, dass das (vor allem bei psychischen Erkrankungen) nicht so einfach funktioniert.

Realität: Ich gehe zum Arzt, setze mich auf den Stuhl und fange an, auf ihre Frage hin wie denn die aktuelle Situation sei und der vordergründige Punkt warum ich nach über 2 Jahren wieder da bin, zu antworten. Keine 10 Minuten später steht fest welches Medikament ich diesmal bekomme. Danach keine 10 Minuten sinnlose oberflächliche Fragen. SIE erzählt MIR, dass es ja diesmal nicht so schlimm sei. Meine psychische Verfassung sei ja schon mal schlechter gewesen. Da ich es ja schaffe  zur Arbeit zu gehen kann es nicht so schlimm sein. Zum Schluss noch Fragen zum Thema. Wie sieht's mit der Selbstverletzung aus? Ist das wieder mehr geworden oder weniger? Mehr. Wann war das letzte Mal? Ähm....gestern.
Warum? Fuck, weil ich nicht mehr kann! Weil meine Katze tot ist und es auf Arbeit Probleme gibt. Ich versuche zu erklären wie sehr mich die Situation am Arbeitsplatz belastet. Es folgt die Aussage: Ach ja, aber eigentlich ist das doch gar nicht schlimm, das betrifft sie ja nicht direkt. Und wie läuft es mit dem Essen? Ganz gut. Mal besser, mal schlechter. Keine Reaktion auf meine Antwort. Noch eine kurze Zusammenfassung zu dem Medikament. Passen sie ein bisschen auf, das wirkt oft auf den Kreislauf. Versuchen sie beim Essen heute daran etwas zu denken. Sie sind ja doch eher zierlich und schlank. EHER Zierlich und schlank? Beduetet ich bin fett wie ein Walross. Triggern kann sie! Ja, mach ich.
Der nächste Termin wird festgelegt und sie gibt mir die Rechnung mit.
85€ für ca 30 Minuten

Zuhause den Beipackzettel gelesen.
Bei den Nebenwirkungen von Mirtazapin steht als aller erstes:

Sehr häufig (kann mehr als 1 Behandelten von 10 betreffen)
- verstärkter Appetit und Gewichtszunahme

Etwas weiter unten steht noch bei Jugendlichen unter 18 häufig deutliche Gewichtszunahme.
Ja, ich bin schon weit über 18, aber das beruhigt mich nicht im geringsten.

Ich lese auch noch die Auswirkungen einer Überdosierung.
Und würde mir am liebsten die halbe Packung in den Mund schieben.
Gleichzeitig überlege ich die fettmachenden Dinger einfach in den Müll zu werfen.

Seit über 5h liege ich nun im Bett, der Versuch einfach einzuschlafen ist bisher gescheitert, dabei bin ich so müde. Die Nacht war doch verdammt kurz.

Ich schweife immer wieder zwischen Unverständnis und Wut auf die Ärztin und dem Selbsthass wegen meiner Unfähigkeit zu Leben hin und her. 

Am liebsten würde ich nie wieder Essen. Nie wieder!
Leider hatte ich schon einen Koffein-Riegel vor dem Arzttermin um ein Magenknurren zu verhindern. Sonst gibts heute nach ihrer Aussage und dem Beipackzettel natürlich nichts mehr. Ausser der neuen Pillen um hoffentlich früh einzuschlafen und vermutlich einer Schmerztablette gegen die Kopfschmerzen.
Ich weiß, dass es falsch ist, und ich weiß auch, dass ich es nicht schaffen werde. Aber ich würde ihr gerne beim nächsten Termin im November zeigen, dass ich kein fettes Walross bin. Vielleicht werde ich dann ja etwas ernster genommen. Und wenn nicht, dann bin ich wenigstens nicht mehr so dick.

Wir werden sehen was die nächsten Tage bringen werden...

1 Kommentar:

  1. "Ich schweife immer wieder zwischen Unverständnis und Wut auf die Ärztin" - und für das Nicht-Zu-/Hinhören ihrerseits auf deine Worte; kann ich einfach nur den Kopf schütteln...
    Ich möchte dich wirklich nicht beunruhigen, ich hatte bei Mirtazapin leider keine guten Erfahgungen, gerade, was das Gewicht angeht...
    Vielleicht gibt es ja doch eine andere (medikamentöse) Lösung? :/
    Ich lese dich und sende ganz viel Kraft! ♥

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