Sonntag, 14. Mai 2017
Meine Leidenschaft
In nicht mal mehr zwei Monaten, sollte ich meine Gruppe (ich rede nun von der Gruppe die ich leite im Hundeverein) soweit haben, dass alle Prüflinge die Prüfung bestehen. Da ich den Kurs aber eben selber leite, bin auch ich dafür zuständig die Prüfung zu organisieren und mich um das gesamte, benötigte Material zu kümmern :O
Mein Organisationstalent hat sich allerdings immer schon in sehr engen Grenzen gehalten.
Die Schilder habe ich in Auftrag gegeben und werden gerade von einer Kursteilnehmerin gefertig.
Die Schilderhalter habe ich in Auftrag gegeben und werden von einem Tischler aus dem Verein gebaut.
Die Nummerierungsschilder sind schon vorhanden, die muss ich nur noch etwas....naja...aufpolieren.
Die Pylonen wurden schon geliefert und die Rechnung habe ich schon dem Verein übergeben.
Der Obmann kümmert sich um die Buchung der Prüferin, deren Unterkunft etc. *zum Glück*
Aber es fehlt noch so viel.
Ich muss mindestens einen zweiten Trainingstag pro Woche einlegen, da es bei manchen Hund-Mensch-Teams noch an ein paar Stellen hapert.
Ich muss den Prüflingen die Prüfungsordnung noch verständlicher machen, da manche einfach noch keine Vorstellung davon haben was erlaubt ist und was nicht.
Ich muss mir selber noch genau ansehen welcher Fehler wieviel Punkteabzug bringt um meinen Kursleuten Tipps geben zu können, wie sie ihrem Hund am besten helfen können.
Ich muss manchen Leuten klar machen, dass sie auch selber mit ihrem Hund manche Dinge zuhause üben müssen um weiterzukommen
Ich muss mich etwas beruhigen, weil ich schon so krass nervös bin!
Vor allem muss ich endlich das Gefühl loswerden, dass mein Hund alles perfekt können muss und die beste Prüfung gehen muss nur weil ich die Trainerin bin. Denn auch wir haben mit dieser Sportart erst begonnen und sind nicht perfekt. Und müssen es auch nicht sein.
Oh man, ich hab doch keine Ahnung von sowas!
Ich bin selber auf einigen Prüfungen und Turnieren mit meinen Hunden gestartet, habe bei Veranlagungstests geholfen etc. Aber noch nie bei einer Prüfung in der sparte Rally-Obedience und noch nie war ich dafür verantwortlich. Ich habe noch nicht mal bei einer solchen Prüfung zugesehen.
Ich bin doch noch nicht mal offiziell Trainerin oder so.
Manchmal verstehe ich wirklich nicht, warum ich immer wieder zu allem "ja" sage.
Warum habe ich überhaupt zugesagt diesen Kurs zu halten, wo das doch für mich selbst alles Neuland ist?
Warum habe ich zugesagt, dass ich den Kurs alleine aufbaue und abhalte, als der mit dem ich es gemeinsam machen sollte gleich wieder ausgestiegen ist weil es im zuviel Aufwand war?
Warum habe ich "ja" zur Prüfung gesagt als der leitende Trainer vorgeschlagen hat diese zu machen?
Weil ich zu feige bin "nein" zusagen?
Oder weil es mir ja doch irgendwo Spaß macht?
Weil ich es doch irgendwie ganz gut mache?
Manchmal habe ich wirklich keine Ahnung, warum ich jeden Sonntag um 7 Uhr aufstehe, 40min zu Fuß zum Verein laufe, 15min einen Parcours aufbaue, 1h Kurs halte, mir stundenlang zuhause überlege wie man den ein oder anderen Hund besser motivieren könnte, wie ich dem Frauchen/Herrchen am besten erkläre wie er den Hund dazu bringt, dass zu tun was von ihm verlangt wird. Natürlich alles ohne Bezahlung, auf freiwilliger Basis.
Oft habe ich auch das Gefühl, dass die Leute gar nicht sehen, was da für Arbeit dahinter steckt. Wie viel Zeit und Nerven man dafür opfern muss.
Ich kann euch sagen warum ich es trotzdem mache.
-Weil es ein unbeschreibliches Gefühl ist, wenn man sieht wie sich die Hunde entwickeln, wie Hund und Hundeführer zusammenwachsen.
-Weil es wunderschön ist, wenn sich ein Herrchen/Frauchen freut, weil sein Hund etwas besonders gut gemacht hat, oder etwas gemacht hat, was er bisher noch nicht verstanden hat.
-Weil es ein unfassbar tolles Gefühl ist, wenn Hund-Mensch-Teams die am Anfang so gar nicht harmoniert haben, plötzlich einfach funktionieren.
-Weil es nicht in Worte zufasssen ist, wie Hunde die keine schöne Vergangenheit hatten und noch nicht lange bei ihrem Menschen leben plötzlich aufblühen und so unendlich viel Lebensfreude und Dankbarkeit ausstrahlen, dass sie einem ein Lächeln auf's Gesicht zaubern.
-Weil man oft ganz unerwartet ein "Danke" bekommt, dass einen stolz macht.
-Weil man dabei so viel lernen kann, so viele Erfahrungen sammelt und soviel für sich und sein Leben mitnehmen kann, dass einem keiner mehr nehmen kann. Diese Erfahrungen sind unbezahlbar.
Ich habe keine Ausbildung als Hundetrainerin. Ich verdiene kein Geld damit, sondern habe im Gegenteil in den letzten Jahren bestimmt 1000e von Euro dafür ausgegeben. Ich bin bei weitem kein Profi und habe auch selber immer wieder kleinere und größere Probleme mit meinen Hunden wo ich nicht weiter weiß. Ich mache immer noch viele Fehler und verstehe viele Veraltensweisen von Hunden nicht.
Ich zweifle oft an mir, ob ich jemals eine gute Hundetrainerin sein werde. Ich weiß nicht, ob ich es einmal schaffen werde auch mit Hundebesitzern zu arbeiten die etwas schwieriger sind. Es gibt immer noch "Fälle" wo ich den leitenden Trainer bitte, dass jemand anderes diesen Menschen übernimmt, weil ich die Nerven dazu einfach nicht habe.
Zu 90% finde ich mich nicht gut als Trainerin und zweifle sehr an mir.
Aber ich bin "erst" 23 Jahre, habe erst meinen zweiten Hund und mache das alles nebenher in meiner Freizeit. Ich bin nicht damit aufgewachsen und hatte keine Eltern die mir gezeigt haben wie man mit einem Hund umgeht oder ihn erzieht. Nein, meine Eltern hatten beide Angst vor Hunden. Es war meine Aufgabe, mein Hund.
Natürlich wuchs er auch ihnen schnell ans Herz und hin und wieder ging auch mein Vater mit ihm raus. Genauso wie ihn auch mein Vater morgens fütterte. Aber trotzdem trug ich die Verantwortung für ihn und für alles was mit ihm zu tun hatte. Und das war viel.
Ungefähr zu dieser Zeit vor 10 Jahren betrat ich das erste Mal mit meinem "Großen", der damals doch noch recht klein war die Hundeschule. Seit dem gab es kaum ein Wochenende, das ich nicht am Hundeplatz verbracht habe.
Wie oft wollte ich alles hinschmeißen, weil mein Hund damals absolut nichts gemacht hatte was ich von ihm wollte! Wie oft hat er mich blutig gebissen, weil er mir zeigen wollte, dass ich zu schwach für ihn bin, dass er der Chef ist! Wie oft habe ich stundenlang geweint, weil ich diesen "scheiß Köter" nicht mehr sehen wollte! Ach herrje, wie fertig ich war, als eine damalige Trainerin zu mir sagte, dass ich dem Hund scheiß egal bin und überhaupt keine Bindung zu ihm habe.
Die Krisensitzung mit mehreren Trainern, meinem Vater und mir werde ich nie vergessen. Ich saß an dem Tisch und hab nur noch geheult. Meine Trainerin wusste sich auch nicht mehr zu helfen wegen mir und meinem Hund und bat eben die Leiter der Hundeschule um Hilfe. Ich habe mich so sehr geschämt, weil ich so versagt habe.
Und dann kam der Tag unserer ersten Prüfung, vor nicht ganz 9 Jahren. Wir legten die beste Prüfung ab und wurden am nächsten Tag bei unserem ersten Turnier Zweiter. Mit harter Arbeit, verdammt harter Arbeit hatten wir es geschafft ein Team zu werden. Auch an diesem Wochenende habe ich geweint, aber vor Freude und Stolz!
Es folgten mehrere Prüfungen und Vereinsturniere, wir wurden "Vereinsmeister", traten einmal bei einer Landesmeisterschaft an (wurden nur Vorletzter), besuchten Seminare, machten Vorführungen bei Charityveranstaltungen für behinderte Kinder,...
Mit 16 durfte ich das erste Mal als Trainerhelferin beim Welpenkurs mithelfen. Mittlerweile wurde der Verein mein zweites Zuhause und die Leute dort mehr zu meiner Familie als meine tatsächliche Familie.
Als ich wegzog, tat es mehr weh den Verein zu "verlieren" als meine Eltern.
Meinen Superhund musste ich leider bei meinen Eltern lassen.
Ein paar Monate und Probleme und Streitereien und Fehler später, kaufte ich mir meine "Kleine". Mit der ich dann auch in den jetzigen Verein eintrat.
Auch das ist schon wieder 3 Jahre her.
Und nun stehe ich da, wo ich jetzt bin.
Und dafür denke ich, ist es gut. Ich glaube ich kann zufrieden sein. Mit mir.
Ich habe nie aufgegeben, war aber oft wirklich kurz davor und habe in dem Fall tatsächlich gekämpft wie ein Löwe. Und ich denke es hat sich gelohnt.
Ich habe die 2 besten Hunde der Welt.
Natürlich sind sie nicht perfekt. Wir haben auch keinen Weltmeistertitel oder ähnliches. Wir retten keine Leben als Rettungshundeteams und keiner meiner Hunde kann Drogen erschnüffeln oder Sprengstoff finden.
Aber sie sind Helden. Für mich. Denn sie geben mir so viel, dass ich immer noch am Leben bin, obwohl ich doch schon so oft sterben wollte.
Ich kann kranke Menschen nicht gesund machen, ich kann auch keine armen Menschen reich machen, aber ich kann manchen Menschen zeigen wie sie es schaffen besser mit ihrem Hund zukommunizieren. Ich kann ihnen anbieten, Zeit mit ihrem Vierbeiner zuverbringen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ich kann ihnen eine Stunde Zeit pro Woche geben, in der sie den Alltag beiseite schieben können und gemeinsam mit ihrem, von tiefstem Herzen geliebten, vierbeinigen Freund Spaß haben, eine noch engere Bindung aufbauen und einfach glücklich und stolz sein können.
Ich kann auch nicht jeden armen Hund retten, aber ich kann versuchen, den Besitzern die Bedürfnisse ihres Hundes näherzubringen. Ich kann versuchen, dem Herrchen oder Frauchen zu erklären wie es dem Hund helfen kann, Situationen vor denen er Angst hat besser zumeistern. Ich kann vielleicht etwas Stress aus dem Alltagsleben nehmen.
Und das ist gut.
Das ist meine Leidenschaft.
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Ciao Somnia,
AntwortenLöschenIrre sein kann lustig aber auch fucking erschreckend sein.
Ich vermisse zwar die Irre-Seite, weil sie eine gewisse Kreativität hat,aber auf Dauer wäre es zu viel. Aber kennst du das, wenn diese Irre Seite, eine gewisse Eleganz und Schönheit hat? Aber auf eine verquere Art.
Selbstgespräche in der Öffentlichkeit führe ich zuhauf. Auch wenn ich mir jedes Mal denke, dass ich das eventuell, vielleicht, möglicherweise ändern sollte. Aber egal :D
Sind immer wieder interessant.
Man kann mir vieles nehmen, aber nicht meinen Blog (auch wenn er schon mal von meiner Nachbarin/langjährige Freundin entdeckt wurde) ._.' dat war so'n "FUCK MY LIFE"-Moment.
Liebe knuddelnde Grüße Amissa ♥