Ich sitze auf einer Bank in der Fußgängerzone der Innenstadt. Auf meinem Schoß liegt die braune Papiertüte mit dem gelben M abgedruckt. Darauf steht eine quadratische Kartonschachtel mit dem McChicken, den ich eben geholt habe. Nach dem Training habe ich immer große Lust auf Essen.
In der linken Hand halte ich den Burger, mit der rechten nehme ich die einzelnen Salatstreifen die in der Box liegen, stecke sie mir in den Mund und kaue darauf herum. "Schmeckt auch ganz gut, vielleicht sollte ich den Burger lieber nicht essen, sondern nur den Salat. Ich könnte den Burger einfach in den nächsten Mülleimer werfen.", denke ich unfreiwillig. "Du bist doch total verrückt! Du kannst nicht einfach Nahrung wegwerfen. Schon gar nicht wenn du dafür gerade Geld, das du nicht hast, ausgegeben hast!", schreit mich eine Stimme in meinem Kopf an. Innerlich zucke ich zusammen und überwinde mich einen Bissen zunehmen. Es schmeckt gut. Ich esse den gesamten Burger und stecke die Kartonbox zurück in die Papiertüte.
Ein älterer Herr sitzt vor einem Café am Klavier und singt.
Ich höre die Musik nicht nur, sondern ich fühle sie. Es ist ein ruhigeres Stück, auf den Text achte ich nicht, nur auf die Musik und die Stimme. Ich bin berührt und ich bin traurig.
Die Tische vor diesem Café sind alle besetzt. Auch auf die Bank auf der ich sitze hat sich mittlerweile eine Frau dazu gesetzt. An's andere Ende. Die Menschen quatschen, lachen, genießen den Freitagabend. Touristen spazieren Richtung Altstadt. Drei jugendliche Mädchen, gehen entlang. Dabei sitzt eine von den Dreien auf einem Longboard und wird von den anderen beiden gezogen. Sie lachen. Haben Spaß. Wahrscheinlich werden sie nun in irgendeinem Club oder in einer Bar feiern.
Ich werde zu sentimental. Die Musik berührt mich zu sehr. Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Ich spüre wie das Gefühl gleich loszuweinen in mir hoch kommt. "Ich sitze alleine hier. Stopfte mir eben zu teures, zu kalorienhaltiges Fast-Food in den Mund, dass mein Körper wirklich nicht gebraucht hätte. Ich sitze hier. Allein. Wie schön wäre es jemanden zu haben der neben mir sitzt. Mit dem ich gemeinsam die Musik genießen könnte. ICH BIN GANZ ALLEIN!", kreischt es in meinem Kopf. Ich muss aufstehen und gehen, denn hier halte ich es nicht mehr aus, obwohl ich so gerne noch zuhören würde.
Ich gehe los. Sehe drei junge Menschen, die vermutlich auf der Straße leben. Ich kenne sie vom sehen. Heute haben sie einen vierten Hund dabei. Den Chihuahua, der heute dabei ist, habe ich noch nie bei ihnen gesehen. Diese Menschen haben wie es aussieht nur je einen Rucksack an materiellen Dingen. Aber sie haben sich und ihre Hunde. Und sie wirken glücklicher und zufriedener als ich. Für einen kurzen Moment wünsche ich mir zu ihnen zu gehören. Nein, das Leben auf der Straße ist bestimmt nicht einfach, das ist mir klar! Versteht mich nicht falsch. Ich will das nicht schön reden. Aber sie sind nicht allein.
Ich muss kurz lächeln und unterrücke gleichzeitig die Tränen in meinen Augen, die ich in den letzten Tagen immer wieder spüre und loswerden möchte, obwohl sie gar nicht exisiteren. Ich habe keine Tränen in mir. Ich habe nichts in mir. Völlige Leere. Weinen konnte ich schon länger nicht mehr.
Und schon betrete ich DIE Eisdiele der Stadt und bestelle mir eine Kugel Apfel und eine Kugel Schokolade in der Tüte. Bezahle mit Geld das ich eigentlich nicht habe und schon während ich bestelle schäme ich mich dafür. Ein kleines Plastiklöffelchen nehme ich noch mit, denn ich möchte in der Öffentlichkeit nicht an meinem Eis lecken. Damit hatte ich bisher noch nie ein Problem, jetzt jedoch ist mir der Gedanke daran zuwider. Ich setzte mich an den Brunnen und löffele mein Eis. Ich weiß, dass das Eis wirklich gut schmeckte, denn es schmeckt immer gut, aber ich kann es kaum wahrnehmen. "Du abscheuliches Ding! Du ekelst mich an! Na? Bist du jetzt zufrieden? Und dann wunderst du dich noch warum du so viel wiegst. Warum du so fett aussiehst.", denke ich bei jedem einzelnen Löffel. Geniessen kann ich wirklich gar nichts davon. Im Gegenteil.
Ich bin gerade erst mit der ersten Kugel fertig, muss aber nun wirklich los zur Bushaltestelle. Die Straßenbahn fährt schon ein, ich habe aber noch nicht aufgegessen und überlege wieder den Rest einfach wegzuwerfen. Die Leute herum würden das aber sehen, was wahrscheinlich doch ziemlich blöd kommt. Ich traue mich nicht, aber will es auch nicht in der Bahn weiter essen. Ich steige mit dem Rest ein und esse es doch fertig. So schnell als möglich und so leise als möglich. Ich schäme mich, aber ich habe es geschafft. War zum Glück nicht mehr viel.
Ich kann es gar nicht erwarten endlich nach Hause zukommen und bin froh, dass der Tag nun so gut wie überstanden ist.
Sorry für den langen, langweiligen Text. Diese eine Stunde heute, in der sich das "abgespielt" hat, hat mir doch wieder etwas zu denken gegeben.
Wann ist es so weit gekommen, dass ich mich vollfresse und gleichzeitig so verabscheue dafür. Seit wann kann ich keine Tüte Eis mehr genießen? Ja, ich denke sehr viel über Nahrungsaufnahme etc. nach. Das wissen hier ja alle. Aber normalerweise DAVOR und DANACH. Während ich esse denke ich normalerweise nicht, sonden befinde mich eher in einem rauschartigen Zustand.
Wie kann es sein, dass ich mehrmals am Tag das Gefühl habe, ich würde gleich losheulen, obwohl keine einzige Träne kommt?
Woher kommt diese brennende Leere und diese tiefe Verzweiflung?
Und wie kann Einsamkeit, ein Gefühl, so verdammt schmerzen?
Sogar die Panik vor dem morgigen Arbeitstag fühle ich gerade nicht so wirklich. Ich weiß, dass sie da ist. Das ist sie schon seit ich wach bin. Es fühlt sich aber an, als würde diese extreme Leere, die Panik etwas abdrängen. Die Leere nimmt so viel Platz ein. Langsam känmpft sich die Panik aber wieder ein Stückchen weiter nach vorne.
Dürfte ich mir gerade etwas wünschen, es wäre der Tod. Die Freiheit, das Ende, die Erlösung.
Nein, ich bin nicht den ganzen Tag so drauf. Im Gegenteil, es gibt zwischendurch auch immer wieder ein paar Minuten in denen ich strotze vor Energie. Minuten in denen ich mein Leben in die Hand nehmen will, und topmotiviert bin, für soziemich alles. Nach diesen Minuten schlage ich aber wieder ungebremst auf dem steinharten, kalten Boden auf.
Im Moment könnte ich noch so viel schreiben, aber ich denke es reicht für heute.
In 25 Minuten ist bereits morgen. Mein Arbeitstag. Und diese verdammte Uhr stresst mich gerade sehr. Ich würde nun gerne schlafen, aber ich trau mich nicht. Erstens kann ich sowieso nicht einschlafen. Zweitens werde ich wieder absoluten Mist träumen. Drittens kann ich Freitags noch viel weniger durchschlafen als an den anderen Tagen. Viertens muss ich zur Arbeit wenn der Wecker klingelt.
Gleichzeitig habe ich Angst davor, zu wenig Schlaf zu bekommen und morgen dann zu unkonzentriert zu sein, zu viele Fehler zu machen,....
Wie jede Woche habe ich auch jetzt die Hoffnung noch nicht aufgegeben in den nächsten 8h zu sterben.
Aber auch wie jede Woche wird das nicht passieren. Ich werde den Tag irgendwie überstehen, werde am Sonntag eine Stunde lang meinen Kurs abhalten und habe dann 5 Tage FREI.
5 Tage in denen ich froh sein werde keine Verpflichtungen zu haben und gleichzeitig verzweifeln werde vor Einsamkeit und Nutzlosigkeit.
Tippfehler könnt ihr behalten, hab keinen Bock mehr das Geschwafel nochmal durchzulesen.
Im ersten Abschnitt kann ich so gut mit dir fühlen! Ich erlebe solche Situationen auch ganz oft, in denen man feststellt, wie einsam man gerade ist. Und die Gedanken beim Essen hab ich so gut wie immer und es einfach nur ne Qual.. mittlerweile kann ich gar nicht mehr in der Öffentlichkeit essen (vor allem wenn ich alleine bin) weil ich mich einfach so schäme... dabei ist es doch das normalste der Welt ein Eis oder ein Brötchen auf der Straße zu essen, wenn man hungrig ist..
AntwortenLöschenIch denke an dich und hoffe, dass du den Tag gut überstehst! <3
Woow der Text bzw deine beschriebene Situation hat mich echt berührt. Ich konnte mich so so gut in dich reinfühlen, wie du dich da fühlen musstest und die Gedanken.. Ich kenne sie so gut. Ich stelle mir auch immer wieder diese Frage, wann es denn angefangen hat.. Ab wann ging es nicht mehr ohne diese ganzen Gedanken? Wie war das Leben vor diesen Gedanken?
AntwortenLöschenIch habe mittlerweile auch festgestellt, dass ich am liebsten alleine bin wenn ich esse oder Essen zubereite. Ich habe sonst das Gefühl, dass sich alle denken "die isst mega viel", "kein Wunder sieht die so aus" blablabla..
Ich hoffe du geniesst deine freien fünf Tage bald <3