Donnerstag, 22. Juni 2017

Und ich liege im Bett

Gedanken von gestern Abend in der Straßenbahn, am Heimweg vom Taekwondo-Training:

Ich kann es kaum fassen, aber ich war tatsächlich im Training.
Die Welt ist nun etwas unscharf und verschwommen, mein Magen rebelliert und meine Beine und Arme fühlen sich an wie Pudding. Obwohl das Training an sich heute nicht annähernd anstrengend war.

Ich merke was ich meinem Körper antue. Anstatt mich deswegen schecht zu fühlen bin ich stolz darauf. Mir ist klar, dass das nicht "richtig" ist. Eine Art selbstverletzendes Verhalten? Selbstschädigend auf jeden Fall.
Wie ich die nächsten Tage übertstehen soll weiß ich noch nicht. Aber es wird irgendwie funktionieren.
Trotz allem tat das Lob beim Training heute gut.
Ich glaube es hat echt keiner gecheckt, dass ich mit "mir geht's zur Zeit nicht besonders gut" meinte, dass ich psychisch am Ende bin. Die glauben alle, dass ich einfach körperlich krank war. Und das ist gut so.
Somit kann ich den Schein weiterhin aufrechterhalten.



Und nun zu heute.
Langsam wird mir bewusst, was ich mir die letzten Tage zerstört habe und immer noch zerstöre.
Ich hab es noch nicht ganz realisiert und das ist gut. Weil ich nicht weiß, was ich mache, wenn es soweit ist.

Ausgerechnet in den wichtigsten 4 Wochen dieses Jahres bekomme ich nichts mehr hin.

Mal ein kurzer Überblick:
Heute 22.06. abends Hundetraining
23.06. erst Tierarzt, Einkaufen und dann zu meinen Eltern fahren
24.06. Hochzeit meines Bruders
25.06. in meinem früheren Hundeverein vorbei schauen, zurück in meine Wohnung fahren
26.06. letzte Vorlesung meiner gescheiterten Unikarriere, abends Taekwondotraining
27.06. letzter Versuch der Molekularbiologie-Klausur (für die ich noch nicht ansatzweise gelernt habe, aber bereits 2x negativ war, trotz wochenlangem lernen), Geburtstag meiner besten Freundin
28.06. Taekwondotraining
29.06. zusätzliches Taekwondotraining mit meinem Trainer (hat er mir geschenkt weil ich so lang nicht da war)
30.06. Taekwondotraining
01.07.-
02.07. letztes Hundetraining
03.07. letztes Taekwondotraining
04.07. -
05.07. Biochemie-Prüfung und (falls die andere bestanden, was unmöglich ist) letzte Uni-Prüfung
           abends Taekwondo-Gürtelprüfung
06.07. -
07.07. -
08.07. Arbeiten
09.07. Rally-Obedience Prüfung (also Hundeschule)

Seht ihr das Problem?
Ich liege seit Tagen im Bett und schaff es kaum aufzustehen. Wie soll ich denn die nächsten 2,5 Wochen überstehen?
Noch dazu absolut unvorbereitet?
Ich hab noch nicht mal angefangen für die Klausur am Dienstag zu lernen, dabei ist es doch meine letzte Chance. Mein letzter Antritt.
Mein Taekwondo-Trainer will unbedingt, dass ich eine Doppelprüfung mache, also eine Gürtelstufe überspringe, dabei kann ich doch noch nicht mal die die ich überspringen soll, geschweige denn die höhere. Aber er meint, ich schaff das locker. Ja danke, freut mich auch, aber wie denn?
Ich freue mich ja für meinen Bruder, aber echt jetzt? Ich, bei 30°C langärmelig zu einer Familienfeier? Danke auch, brauchte ich unbedingt. Ein Tag in der Hölle könnte nicht schlimmer sein.
Ich hab noch nichtmal ein Geburtstagsgeschenk für meine beste Freundin. Ja nicht mal eine verdammte Idee.
Am Sonntag sollte ich mich auch noch in meinem alten Verein blicken lassen. Die kennen mich alle mit 43kg verdammt, die letzten Male als ich dort war, hatte ich meistens über 50 und Kommentare dazu kamen genug. Ich wollte unbedingt wieder auf den 43 sein wenn ich wieder hin fahre, stattdessen hänge ich immer noch bei 46-47 und das wird vermutlich nicht besser werden bis Sonntag.

Ich muss auch noch so viele Dinge klären wegen der Hunde-Prüfung und noch mindestens 1 zusätzliches Training abhalten.

Aber das ist ja nicht alles. Meine Wohnung sieht mal wieder aus wie Sau, die Wäsche ist nicht gewaschen, das Geschirr nicht gespült, das Terrarium der Mäuse gehört heute gemacht.


Meine Welt zerbricht.

U N D    I C H    L I E G E    I M    B E T T  ! ! !

Ich weiß noch nicht mal was ich heute essen soll. Ob ich heute essen soll. Ob ich trinken soll.
Ich bin doch gar nicht richtig da. Ich liege im Bett und sehe emotionslos zu, wie alles um mich zerbricht. Wie alles für das ich die letzten Jahre so gekämpft habe in Scherben zerfällt. Und würde ich aufstehen, würde ich auf diesen Scherben stehen müssen. Das kann ich nicht. Dafür bin ich zu schwach. Obwohl ich die Schnitte in meinem Zustand wahrscheinlich gar nicht spüren würde. Tortzdem bleibe ich lieber liegen und hoffe, dass mir das Grundgerüst meines Lebens einfach auf den Kopf fällt und mich erschlägt. Die Luft abschnüren tut es ja bereits.

Meine einzige Hoffnung die ich gerade habe um aufzustehen ist die Idee, diese Scherben zu nutzen um mich daran zu schneiden. Um mich zu quälen. Und das werde ich nun versuchen. Ich werde versuchen aufzustehen und auf diesen Scherben herumzutrampeln. Vielleicht schaffe ich es, darauf loszurennen ohne nochmals stehen zu bleiben, bis die zweieinhalb Wochen vorbei sind.

1 Kommentar:

  1. Hey,
    naja, die Kommentare nehme ich mir nicht allzu sehr zu Herzen. Weil ich nicht versuche, meine aktuelle Figur zu akzeptieren, sondern ja weiß, dass ich wieder runter will von dem Gewicht. Und was die Waage sagt, weiß ich ja.. :/

    Bei dir klingt's auch nicht besonders rosig :(. Hast du schonmal überlegt, in eine Klinik zu gehen? Das wäre vielleicht eine geeignete Auffangstation für dich im moment.. wobei es dir ja schon länger schlecht geht. Vielleicht gerade deshalb.

    Liebe Grüße <3

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