Donnerstag, 3. November 2016

Einfach funktionieren

Mehr muss ich gar nicht.
Einfach nur funktionieren.
Und genau das mach ich.

Ich versuche nicht zu denken, nicht zu fühlen, sondern einfach nur zu funktionieren.
Klappt mal mehr, mal weniger.


Leider meldet sich in letzter Zeit immer wieder die Angst vor anderen Menschen.
Ich dachte das wäre vorbei. Ich dachte ich hätte mir das alles damals (vor etwas mehr als 2 Jahren) nur eingeredet.
Aber diese Angst ist wieder da.
Alltagssituationen werden wieder sehr schwierig. Teilweise unmachbar.
Einkaufen ist zur Zeit richtig hart. Ebenso Bus oder Bahn fahren. Vor allem, wenn viel los ist.
Uni ist eine echte Herausforderung. In eine der Vorlesungen kann ich nicht mehr gehen. Zu viel Angst. Diese ist an einer anderen Uni mit anderen Studenten, von anderen Studiengängen.
Dort gehör ich nicht dazu. Jeder sieht mir das an. Alle werfen mir schiefe Blicke zu und denken sich "was will die den hier, haha :D", "hast du die gesehen?", "boa wie fett und häßlich ist die den", "dass die sich überhaupt raus traut", sagt mir mein Kopf. Ob es tatsächlich so ist, weiß ich nicht. Aber für mich ist es so.
Mit meinem Hund spazieren gehen ist nur noch ein notwendiges Übel. Panik steigt in mir auf, wenn ich weiß, wir müssen bald los.

Als mir bewusst wurde, dass die Gedanken wieder da sind, dass mein Herz unter Menschen wieder zu rasen beginnt, dass ich zu zittern und schwitzen anfange und mir kotzübel wird, wollte ich gegensteuern. Ich wollte nicht, dass es wieder so weit kommt wie letztes Mal.
Also hab ich letzte Woche einer Kollegin gschrieben ob wir diese Woche mal was machen. Morgen ist es soweit. Ich komme zu ihr.
Am liebsten würde ich absagen. Denn die Gedanken machen mich jetzt schon fertig.
Fragen, die nicht dasein sollten, schwirren ständig in meinem Gehirn herum. Absagen trau ich mich aber auch nicht mehr.

Übermorgen ist dann auch noch mein erster Arbeitstag. Wenn ich daran denke, wird mir sowas von schlecht. Letzten Freitag hätte mich mein neuer Chef angerufen. Ich hab es leider erst später gesehen, und bis heute nicht mal zurück gerufen. Ich kann's nicht. Es gibt für mich nicht viel schlimmeres als telefonieren. Ich konnte mich nicht dazu überwinden. Was die Situation nicht unbedingt verbessert.
Ich bin sehr stark am zweifeln, ob ich überhaupt hingehe. Oder nicht einfach per Mail eine kündigung schicke.
Toll, wenn man schon ans Kündigen denkt, bevor man überhaupt geabreitet hat.

Ich bin wohl mit Abstand der größte Versager der Welt.

Jeden Tag muss ich mit mir kämpfen, um überhaupt noch aus dem Bett zu kriechen um meistens kurz danach wieder unter der Decke zu verschwinden. Hätte ich mir nicht so sehr vorgenommen diese Woche zu funktionieren würde ich auch tatsächlich nicht mehr aufstehen. Die Zeit in der ich Zuhause bin verbringe ich nur damit, zu schlafen oder wach im Bett zu liegen und zu warten bis der Tag rum ist.
Lernen ist mittlerweile ein Ding der Unmöglichkeit. Ich schaffe es kaum mehr einen klaren Gedanken zu fassen und schon gar nicht mich länger als einen halben Satz lang zu konzentrieren.
Vom Haushalt mit dem ich sowieso schon Probleme hatte, fang ich erst gar nicht an.

Ja und auf die Waage trau ich mich seit Tagen nicht mehr.

Und da ich weiß, dass das alles weder im echten Leben, noch hier, auch nur irgendjemanden interessiert, schreibe ich nun einfach weiter, bis die Gedanken in meinem Kopf aufhören sich zu drehen.

Ich hätte nicht gedacht, dass es mir tatsächlich nochmal so schlecht geht. Am Besten wäre es mir wieder Hilfe zu suchen. Aber einerseits bin ich wieder an dem Punkt wo ich denke, dass ich Hilfe nicht verdient habe. Dass es mir vielleicht noch gar nicht schlecht genug geht um Hilfe bekommen zu dürfen. Ich bin es auch gar nicht wert Hilfe zu bekommen, denn es wären eh alle froh mich loszusein. Und ich will ja auch gar nicht mehr. Oder vielleicht doch?
Aber ich wollte doch auch meinen Körper besser behandeln und jetzt? Jetzt versuche ich ihn wieder mit aller Gewalt zu zerstören.
Dabei war ich so stolz, nach Jahren das erste Mal wieder im Sommer in kurzer Hose und T-Shirt rumzulaufen. Das ist nun alles wieder hinfällig. War es das wert? Glaub schon.
Andererseits könnte ich vielleicht wirklich etwas erreichen, wenn ich wollte (und mir Hilfe holen würde, und diese Hilfe auch annehmen würde).
Wenn ich bloß mal wüsste was ich wirklich will, würde das vieles erleichtern. Leider sind Entscheidungen nicht so mein Fall.
Aber würde das überhaupt etwas bringen? Könnte ich denn tatsächlich anders Handeln wenn ich wüsste was ich wollte? Könnte ich meine Gedanken tatsächlich soweit steuern? Oder bräcuhte ich dazu wieder Medikamente. War es überhaupt richtig die selber abzusetzen? Wahrscheinlich nicht, aber das war mir ja auch davor schon klar.
Eine Frage die mir auch Tag für Tag, immer wieder durch den Kopf geht ist: Bin ich den wirklich krank? Oder bin ich einfach nur faul und undiszipliniert und suche mir etwas auf das ich mich rausreden kann?
Ja, ich glaub das ist es. Ich bin gar nicht krank, sondern einfach nur undiszipliniert und faul. JA, das bin ICH. Deshalb nehmen mich Ärzte auch nie ernst. Deshalb nimmt mich auch sonst nie jemand ernst. Nein, stimmt nicht ganz, meine letzte Therapeutin hat mich schon ernst genommen. Aber vielleicht hab ich sie ja die ganze Zeit belogen.
Ist es Lügen, wenn ich selber davon überzeugt war, tatsächlich Probleme zu haben?
Oke, und wer nicht krank ist braucht auch keine Hilfe.
Damit ist wenigstens der Punkt für heute geklärt.
Ich hab keine Depressionen, sondern denke einfach nur zu negativ und habe keine Selbstdisziplin. Naja und was andres wurde ja auch nie diagnostiziert.
Die Wunden mussten nie genäht werde, und ich meine, es gibt doch viele die mal so eine Phase haben wo sie denken sie müssten sich ein paar Kratzer zufügen, aber das hört ja wieder auf. Außerdem habe ich ja Normalgewicht.
Also ist ja eigentlich alles gut.
Ich brauch mich nur ein bisschen zusammen zureißen. Ein bisschen weniger Mimöschen sein und schon kommt alles in Ordnung.
Schön, dass das so einfach geht.

Naja , damit lass ich es gut sein, denn der Wunsch zu sterben tritt nun wieder sehr stark in den Vordergrund, weshalb die Klinge auch schon nach mir ruft, um diese Gedanken wieder etwas weiter in den Hintergrund zudrängen.

1 Kommentar:

  1. "Undiszipliniert und faul" nein, das glaube ich nicht. Ich lese hier raus, dass du leidest und das Leid ist doch echt :(
    Ich wünsche dir Kraft <3
    Lg, Liv

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