Wie verzeiht man sich den wohl größten Fehler seines Lebens?
Richtig.
Mit den paar Tabletten die man noch findet, ner Flasche Wein, Klingen, und einer halben Schachtel Zigaretten.
Sie hätte sterben können. Und ich habe ihr vertraut.
Wie kann man jemanden vertrauen, der alle paar Tage wegen irgendeinem Scheiß bei der Polizei hockt? Wie kann man jemandem vertrauen, wenn man weiß, dass er Suizidgefährdet ist. Wie kann man jemandem vertrauen der psychisch am Boden ist.
Und trotzdem habe ich ihr vertraut.
Verdammt sie ist für mich meine kleine Schwester.
Sie liegt nun auf der Geschlossenen, keiner darf zu ihr. Ich kann nicht mit ihr reden und ihre Mutter, meine damalige "Pflegemama" hasst mich. Und ich kann es ihr nicht verübeln.
Ich hätte sie anrufen müssen. Ich hätte es ihr erzählen müssen, spätestens als sie sich nicht mehr gemeldet hat.
Aber ich, ausgerechnet ich habe ihr vertraut, dass sie zu ihrer Tante fährt.
Auch noch mein beschissener Vorschlag weil sie sich nicht mehr nach Hause traute.
Ich will zu ihr. Jetzt.
Ich will sie in den Arm nehmen und ihr sagen, dass alles gut wird.
Ich will ihr sagen, wie sehr ich sie lieb habe. Wieder und wieder.
Ich will diesen Tag nicht überleben.
Aber ich muss.
Ich müsste Vorbild sein.
Ich müsste es besser machen. Aber wie?
Wie verdammt????
Ich sollte klüger sein, und mit jemandem reden. Ich sollte mein eigenes Leben auf die Reihe bekommen und nicht so handeln wie ich es gerade tu.
Ich weiß es besser, und dennoch laufe ich zum Supermarkt und hole Alkohol. Wissen tu ich es besser, aber handeln kann ich nicht besser.
Ich weiß, dass ich es nicht übertreiben darf.
Aber ich kann nicht mehr.
Ich will doch alles für sie tun. Ich will bei ihr sein. Bitte, bitte, bitte.
Ich will nicht überleben. Aber ich habe es versprochen. Ich habe versprochen am Leben zu bleiben. Und das werde ich.
Sie bekommt endlich Hilfe. So lange habe ich versucht sie dazu bewegen Stationär zu gehen. So lange habe ich versucht das auch ihrer Mama klar zu machen. Aber alle haben die Situation unterschätzt. Und ausgerechnet jetzt habe ICH die Situation unterschätzt. Vielleicht auch gut so. Vielleicht hätte sonst wieder niemand gehandelt. Hätte sie nicht die Polizei gesucht und direkt in die Psychiatrie gebracht.
Alles Ausreden. Ich hätte handeln müssen.
Es ist alles meine Schuld.
Weil ich zu Egoistisch war. Weil ich ihr versprochen habe nicht ihre Mutter anzurufen. Aber genau das wäre erwachsenes, und verantwortungsvolles Handeln gewesen.
In manchen Momenten bin ich kurz wütend auf sie, weil sie mein Vertrauen missbruacht hat, aber eigentlich bin ich nur wütend auf mich. Sie konnte nicht anders. Aber warum hat sie mich nicht angerufen? Warum ist sie nicht zu mir gekommen?
Ich versteh das alles nicht.
Ich habe unglaublich große Angst.
Ich flehe um Verzeihung. Ich wollte das doch nicht. Meine Kleine ich liebe dich. Es bricht mir das Herz.
Wie soll ich mir das jemals verzeihen?
Alles was ich will ist, dass es ihr gut geht. Aber ich kann nichts tun. NICHTS.
Verdammt ich kann ncihts tun.
Diese Hilflosigkeit ist unerträglich. Wie kann man so etwas aushalten? Wie kann man das ertragen?
Wie soll ich damit weiterleben?
Ich muss doch heute Abend zum Training und morgen in die Uni. Ich hab doch einen Termin bei meinem Professor. Nach fucking 2 Jahren habe ich endlich meinen Professor angeschrieben, mit Hilfe meiner Therapeutin um mein Leben auf die Reihe zu kriegen. Ich habe die letzten Wochen so unglaublich gekämpft um wenigstens halbwegs klarzukommen.
Und nun bin ich am besten Weg alles wieder kaputt zu machen.
Ich will doch stark sein. Für sie. Für meinen Freund, der mir so unglaublich viel geholfen hat und jetzt zerstöre ich alles.
Es ist mir unerklärlich wie andere mit ihrem Leben klarkommen.
Ich kann's nicht. Immer und immer wenn ich denke es wird besser falle ich. Immer tiefer. Aber nie tief genug.
Ich muss mich zerstören. Ich muss. Aber ich darf nicht.
Ich muss stark sein und känpfen. Für die anderen.
Aber wie? Wie geht das? Kann mir das jemand sagen?
Warum darf ich nicht verschwinden? Warum nicht?
ICH VERSTEHE ES NICHT
Wenn ich nun wieder Scheiße baue, werden mich alle hassen. Ich tu den Menschen um mich herum immer und immer wieder weh. Das ist mir klar. Aber ich KANN nicht anders.
Ich dachte ich würde es diesesmal schaffen. Aber ich verkacke es wieder.
Immer und immer wieder.
Ich bin für dieses Leben nicht geschaffen. Das ist mir klar. Schon lange und trotzdem habe ich nie aufgegeben.
Und das war ein Fehler. Ein riesengroßer Fehler. So oft habe ich es versucht und immer wieder einen Rückzieher gemacht. Weil ich zu feig war, und zu viel Hoffnung hatte. Weil ich die besten Menschen um mich habe die mich immer und immer wieder hochziehen. Menschen die ich nicht verdient habe und ständig enttäusche.
Das zweite Glas Wein und die zweite Tablette und ich bin schon am wanken. Sogar für Alkohol bin ich zu schwach.
Ich bin Nichts. Ich bin Abschaum. Ich bin Dreck. Ich bin Scheiße.
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